Das Projekt Glücksschule

Das Projekt „Glücksschule“ strebt einen kompletten Wandel (nicht nur eine weitere nutzlose Reform) im aktuellen Schulsystem an. Ziel ist es dabei das Glück und den Lernprozess jedes einzelnen Kindes ins Zentrum zu stellen.
Die grundlegenden Strukturen der Schule sind komplett veraltet und in keiner Weise mehr an die Anfordernisse und die Kinder unserer Zeit angepasst. Denn die Schule soll den Kindern dienen und nicht umgekehrt. Die folgenden wichtigsten Ziele möchte das Projekt Glücksschule realisieren (genauere, weitere und detailiertere Informationen mit Begründungen werden im Buch erscheinen):

1. Selbstorganisiertes Lernen

Die Schule soll ein offener Lernort werden, eine „Bildothek“, welche die Strukturen schafft die den selbstorganisierten Lernprozess jedes einzelnen Kind möglichst ideal unterstützt.

2. Schule ohne Angst

Wichtig ist dabei dass die Schule ein angstfreier Ort sein soll. Sobald Lernen mit Angst, Druck oder Bewertung verknüpft wird geht die Freude am Lernen und die intrinsische Motivation verloren.

3. Vom Müssen zum Wollen

Die Glücksschule ist auf jeden Fall auch eine Schule an der es kein Müssen, kein Zwang und Druck von aussen gibt. Einerseits weil jeder Druck von Aussen zu innerem Widerstand bei den betroffenen Menschen führt aber auch weil Kinder über die äusseren Vorgaben (extrinsische Motivation) lernen die Verantwortung für ihr eigenen Lernen und Leben allgemein an Autoritätspersonen abzugeben. Das heisst aber nicht, dass es keine Regeln oder Strukturen geben darf. Das heisst nur, dass die Kinder in alle Prozesse, die ihr eigenen Leben betreffen mit einbezogen werden und nicht einfach über sie bestimmt wird.

4. Freude am Lernen erhalten

Die Freude am Lernen, die Begeisterung und der Forscherdrang sind die wichtigsten Ressourcen des Menschen. Die Glücksschule will die Freude am Lernen, die Begeisterung und die Offenheit schützen und erhalten, indem sie die Kinder in ihrem eigenen intrinsisch motivierten Lernprozess begleitet und unterstützt aber diesen nicht bewertet oder vergleicht.

5. Jetzt

Die Glückschule will glückliche Kinder jetzt, und nicht in einer vorgestellten Zukunft.

Wer als Kind lernt, für später zu leben und lernen, läuft Gefahr das ganze Leben auf das grosse Glück später zu hoffen...

6. Ort des Miteinanders

Schule soll ein Ort des Miteinanders sein statt der Auslese und des Konkurrenzkampfes. Schule soll die Werte die sie vermitteln will (Respekt, Soziales Miteinander, Achtung) auch wirklich vorleben. Kinder unterstützen sich gegenseitig im Lernprozess.

7. Neue Realitäten

Die Glücksschule ist ein Ort an dem sich die Erwachsenen von der Weite, Kreativität, Offenheit und Neugierde der Kinder anstecken lassen. Die Schule wird so zu einem Ort, von dem aus ein grundlegender Wandel der gesamten kollektiven Realität geschieht, weil Kinder vollkommen andere Lernerfahrungen machen und so lernen eine auch eine völlig neue Realität wahrzunehmen.

8. Selbstwirksamkeit

Die Glücksschule möchte, dass alle Kinder Erfahrungen von Kompetenz, Erfolg und Selbstwirksamkeit machen können. Unsere Gesellschaft kann sich Kinder, die in der Schule lernen sich mit einer Versageridentität zu identifizieren, in keine Weise leisten. Der Schmerz dahinter ist für alle Beteiligten enorm.

9. Neue Rolle der Lehrpersonen

Lehrerinnen und Lehrer sind an der Glücksschule nicht mehr wissende Dozenten sondern viel mehr achtsame und liebevolle Lern- und Lebensbegleiter für den Lebens- und Lernprozess jedes einzelnen Kindes. Wesentliche Aufgaben von Lernbegleitern an der Glücksschule sind:

- Selbstreflexion (eigene einschränkende Überzeugungen und Ängste erforschen statt weitergeben)

- Das Schaffen eines positiven emotionalen Umfelds durch liebevolle, feinfühlige Beziehungen und gewaltfreie Kommunikation mit allen Kindern.

- Allenfalls beschreibend die Lernprozesse der einzelnen Kinder dokumentieren (Portfolio).

10. Anregendes Umfeld

Die Glücksschule wird also nicht mehr ein Ort sein, an dem Erwachsene Kinder belehren, sondern viel mehr ein Ort an dem es eine riesige Auswahl an Materialien, Bücher, Unterlagen und Spielmöglichkeiten zur freien Benutzung und Erforschung für die Kinder gibt. Auch die Möglichkeit für Naturerfahrungen ist wesentlich.

11. Vertrauen der Eltern
Kinder brauchen um sich ideal entwickeln zu können vor allem uneingeschränktes Vertrauen der Eltern. Denn dieses Vertrauen von aussen führt zum Selbstvertrauen bei den Kindern. Kinder sind nicht auf der Welt um die Hoffnungen, Erwartungen und Vorstellung der Erwachsenen zu erfüllen sondern nur um glücklich zu sein und um diese Welt mit allen Sinnen selbstbestimmt erforschen und geniessen zu können.

Weitere wesentliche Schritte

Wandel in der Erziehung

Eltern sind gefordert selber auch ihre Machtposition aufzugeben und in eine wirkliche Kommunikation mit den Kindern zu treten. Das heisst überhaupt nicht, dass es keine Strukturen oder Regeln mehr geben soll, aber die Bedürfnisse der Erwachsenen stehen dabei nicht mehr über denen der Kinder sondern sind genauso wie die Bedürfnisse der Kinder die Grundlage für stimmige Lösungen für alle Beteiligte. Dabei ist die Liebe das einzige an dem konsequent festgehalten werden soll.

Wandel in der Städteplanung

Viel mehr Spiel-raum für Kinder. In den Städten und Dörfer sollen die Fussgänger im Zentrum stehen und nicht die Autos.

Damit Kinder überall wirklich wieder Natur erfahren, draussen spielen und sich bewegen können, damit sie auch innerlich beweglich bleiben, Erfahrungen aus erster Hand machen können und nicht ihr inneres Feuer und ihre Begeisterung vor dem Fernseher oder Computer verlieren.

Bildungsfreiheit

Diejenigen Familien die weiterhin dem Leistungsprinzip treu bleiben möchten können das natürlich tun. Einerseits durch den Besuch einer Privatschule (Freie Schulwahl als Voraussetzung) andererseits indem die Kinder eine entsprechende Nachfrage produzieren an der Schule. Es werden mit Bestimmtheit auch neue Lehrformen auftauchen, wie Fernlehrgänge.

Innerer Wandel

Von allen beteiligten Erwachsenen verlangt der Umbruch einen grundlegenden inneren Prozess. Auch für Schüler die das Prinzip des Müssens bereits total internalisiert haben ist ein innerer Prozess zurück zur intrinsischen Motivation nötig um im neuen selbstorganisierten System zurecht zu kommen. Das heisst die Lehrer und Schüler können den Weg aus dem alten fremdbestimmten und extrinsisch motivierte System in das neue selbstbestimmte und intrinsisch motivierte Lernen gemeinsam gehen. Von der Enge der erlernten Überzeugungen des Kopfes zurück in die unendliche Weite des Herzens.


„Ich unterrichte meine Schüler nie; ich versuche nur, Bedingungen zu schaffen, unter denen sie lernen können.“ Albert Einstein